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Mord unter dem Altar?

500 Jahre Beller Kirche

Ein Mord in der Beller Kirche - damit sei sie entweiht und dann dem Verfall zur Ruine preisgegeben worden. Dies ist eine Legende, die erklären soll, weshalb von der Kirche bei Eckelsheim nur noch die Reste stehen. Aber niemand weiß genau, warum die spätgotische Kirche nach rund zweihundert Jahren nicht mehr für regelmäßige Gottesdienste genutzt wurde. Ob es die Wirren des dreißigjährigen Krieges waren, der pfälzische Erbfolgekrieg oder der Religionswechsel nach der Reformation - all diese Gründe können zutreffen, warum von dieser Kirche, die 1519 der Jungfrau Maria geweiht wurde, nur noch die Außenmauern stehen.

Nun wird sie 500 Jahre alt. Und das will der Förderverein Kulturdenkmal Beller Kirche zünftig feiern. Am 16. August um 18.00 Uhr werden die Feierlichkeiten eröffnet. Die regionale Prominenz wird vertreten sein. Anschließend gastiert das Duo „Coolsville“ in der Ruine. Elke Diepenbeck und Roland Kalus aus Bechtolsheim präsentieren „Songs, die wir lieben“. Der Eintritt ist frei. Die Eckelsheimer Jungwinzer werden den „Egilo“ ausschenken, einen Wein, dessen Namen auf den Ortsgründer von Eckelsheim zurückgeht.

Am Samstagabend wird dann der Küchenchef des Kulturhofs, Alex Greiner, in der Kirche bei einem Fest-Bankett ein Vier-Gänge-Menü servieren. Die Eckelsheimer Jungwinzer präsentieren dazu passend ihre Weinkreationen. Volker Gallé und Wilfried Jung werden zwischendurch rhoihessische Geschischten rund um die Beller Kirche erzählen. Zum Abschluss der Feierlichkeiten wird am Sonntag um 10.00Uhr ein ökumenischer Festgottesdienst abgehalten. Anschließend gibt es Kaffee und Kuchen. Im Eckelsheimer Kulturhof werden in einer Ausstellung ab 11. August 2019 unter dem Titel „Beller Kirche – Mysterium am Wegesrand“ Erläuterungen zum Kirchenbau, Fotos und Objekte zu sehen sein und vor allem Kunstwerke, die sich auf die Beller Kirche und die umgebende Landschaft beziehen: Kalligrafien und Schriftbilder von Pamela Stokes (Mainz), Digitale Aquarelle von Rüdiger Dittewig (Nack) und Materialbilder, Malereien und Grafiken von Ruth Hoffmann (Siefersheim).

Die Feierlichkeiten lassen eine Tradition anklingen, die leider 1902 ein Ende fand und 100 Jahre später noch einmal auflebte: der Beller Markt. Jahrhundertelang wurde an der Kirchenruine der Beller Markt abgehalten. Deftig und lustig ging es dabei zu. Ein Tanzboden wurde in die Kirche eingezogen. Viel Wein wurde getrunken und große Mengen Schweinebraten aufgetischt. Es wurde gesungen und getanzt. Auch Schinderhannes hat hier nach den Erzählungen gezecht und Karten gespielt. Er soll auch mitgeholfen haben, den Kerwebaum aufzustellen.

Die Beller Kirche war aber auch eine ganz weltliche Werkstatt. Hier wurde - vor Wetterunbilden geschützt - im 18. Jahrhundert eine Flachsdarre eingebaut, die von Archäologen Anfang dieses Jahrtausends ausgegraben wurde. Aus Flachs wurde dann Leinen hergestellt.

In den Mauern, die sich an den Weinberg schmiegen, herrscht eine eigenartige, fast mystische Atmosphäre. Eigentlich ist es still dort. Nur die Dohlen, die hier wohnen, schwätzen ab und an laut. Wir wissen, dass schon in vorgeschichtlicher Zeit nahe der Beller Kirche Menschen gesiedelt haben, sicher auch weil es hier eine Quelle mit frischem Wasser gab. Und wo es feucht ist, wachsen gerne die Schwarzpappeln, die auch „Bellen“ genannt werden. Wahrscheinlich sind sie die Namensgeber der Beller Kirche und nicht die Jungfrau Maria, die auch die „Schöne“ genannt wurde - die Bella Maria.

Zu den Feierlichkeiten sind alle Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen. Zu dem Bankett (Kosten 65 €) ist eine Anmeldung erforderlich (foerderverein-bk@t-online.de oder 06703 13 46).

500jahrebk.1563992527.txt.gz · Zuletzt geändert: 24.07.2019 18:22 von udo